Westdeutsche Zeitung zur Energiewende in Erkrath (Artikel vom 3. Dez.)

Stadtwerke suchen Windräder

Von Stefan Schneider

Versorger überlegt, sich in große Parks einzukaufen.
Projekte in Thüringen und Brandenburg werden geprüft.

Großbild Archiv

Windkraft wird von der Anlage aufgenommen und in elektrische Energie
umgewandelt.

Erkrath. Gehen die Stadtwerke auf Einkaufstour und
ersteht das eine oder andere Windrad? Hoch oben im Norden an der Küste oder
vielleicht doch in der Eifel? Und wie sieht es eigentlich mit einem Standort
mitten in Erkrath aus? Was auf den ersten Blick wie ein Fantasiegebilde
erscheint, könnte in Kürze Realität werden. „Ja, wir sind auf der Suche“,
bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Detlef
Ehlert.

„Das funktioniert
gewissermaßen wie bei einem Bauträger, der Wohnungen verkauft.“

Detlef  Ehlert, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Erkrath

Spätestens nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima stand für
die Bürgerinitiative „Atomstromfreies Erkrath“ fest: Die Stadt muss ein Zeichen
setzen und ihren Ausstieg erklären. Das ist mittlerweile geschehen. Mit den
Stimmen von SPD, Grünen und BmU ist der Bürgerantrag im Juli dieses Jahres
positiv beschieden worden. Mit der Folge, dass die Stadtwerke nun an einem
Konzept arbeiten, wie mittelfristig der Umstieg auf komplett erneuerbare
Energien – bislang liegt der Atomstromanteil bei zehn Prozent oder 16 Millionen
Kilowattstunden pro Jahr – gelingen kann.

Am liebsten wären den
Stadtwerken Windräder in der Nähe

Als naheliegendste Lösung erscheint der Kauf von Beteiligungen an zwei
Windkraftanlagen in der Größenordnung von jeweils zwei Megawatt. Fünf bis
sieben Millionen Euro würde das laut Ehlert kosten. „Das funktioniert
gewissermaßen wie bei einem Bauträger, der Wohnungen verkauft“, sagt Ehlert.

Das Problem sei derzeit nur, dass die Windräder dieser Leistungsstärke einen
derart hohen Absatz verzeichnen, „dass sie quasi ausverkauft sind“. Daher
spiele man mit dem Gedanken, sich mit anderen Energieversorgern zusammenzutun,
um in größere Anlagen zu investieren. „Das sind dann aber Summen jenseits der
Zehn-Millionen-Euro-Grenze“, so Ehlert.

Am liebsten wäre den
Stadtwerken, wenn die Windräder „irgendwo um die Ecke“ stünden.
„Schließlich wäre dann die Identifikation der Bürger mit dem Projekt umso
größer“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende – und meint damit die
Möglichkeit, die Bürger über Beteiligungsmodelle einzubeziehen. Doch
leider sei in der näheren Umgebung nichts realisierbar.

Eine Windkraftanlage erntet mit ihrem Rotor die Energie des Windes, wandelt
sie in elektrische Energie um und speist sie in das Stromnetz ein.

Kaufen sich die Stadtwerke in einen Windradpark etwa in Brandenburg ein,
fließt der dort produzierte Strom natürlich nicht hunderte Kilometer weit in
das Erkrather Netz. „Der wird in das regionale Netz eingespeist“, erklärt
Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Ehlert.
Stattdessen werde der regenerativ erzeugte Strom „auf uns umgerechnet“.

Dass auf Erkrather Stadtgebiet keine Möglichkeiten zum Errichten der
riesigen Räder bestehen, hatte unlängst Bürgermeister Arno Werner im
WZ-Gespräch erklärt. Daher konzentrierte man sich auf das Projekt Illerich II
in der Eifel. Doch es scheiterte, weil, so heißt es in einer Sitzungsvorlage
des Aufsichtsrats, „sich das Projekt nach ausführlicher Prüfung als nicht
wirtschaftlich herausgestellt hat und eine Menge offener Fragen aufwirft“.

Inzwischen sind die Stadtwerke aber wieder fündig geworden. „Wir prüfen
aktuell Projekte in Brandenburg und Thüringen“, sagt Detlef
Ehlert, der zudem ankündigt, dass es demnächst einen
Arbeitskreis geben werde, an dem auch die Bürger teilnehmen können.

One thought on “Westdeutsche Zeitung zur Energiewende in Erkrath (Artikel vom 3. Dez.)

  • dies ist eine gute Idee, die ich auch voll Unterstützen kann. Wir fahren schon seit 15 Jahren in den Norden. Dort geht alles mit Windrädern. Wie manche Leute sagen, sei dies zu laut. Ich habe in all den Jahren noch keinen Lärm von Windrädern gehört. Jeder Bauer hat auf seinen Felder Windräder stehen. Klappt wunderbar.

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