Ganz neue Ansichten: Uli Schimschock

Der Eisenbahner und die Kunst

Von Dirk Lotze

Eigentlich ist Uli Schimschock als Verkehrsexperte der SPD
in der Stadt bekannt. Jetzt macht er als Künstler von sich reden.

Großbild Dirk
Thomé

Ansichten zweier Loks: Mit diesen beiden Arbeiten beteiligt sich Uli
Schimschock an der Ausstellung „LokArt“.

Erkrath. Die Lok sieht aus, als plustere sie sich
auf. Zu einer Kette von weißen Kringeln werden die Puffer auf dem Bild, weil
immer größere Fotos hintereinander geschichtet worden sind. Eine Wolke scheint
an den Kessel zu stoßen: „Emmas Traum“ zeigt, wie die kleine Lok wieder unter
Dampf stehen möchte. Es ist eines von zwei Bildern, mit denen sich Uli
Schimschock an der Ausstellung „LokArt“ beteiligt, die am Freitagabend im
Lokschuppen eröffnet wird.

„Wenn man nichts nähme, würde
man vielleicht den anderen Künstlern das Geschäft verderben.“

Uli Schimschock, der nicht wusste,
welche Preise er für seine Arbeiten verlangen soll

Eine Jury hat die bearbeiteten Fotos ausgewählt. „Dabei war Kunst gar nicht
auf meiner Agenda“, sagt der 57-Jährige. Das klingt nach Überraschung – und
auch ein bisschen nach Stolz.

Angefangen habe alles mit einer Spielerei, erzählt Schimschock,
stadtbekannter SPD-Kommunalpolitiker: „Ich habe einfach ein Foto auf dem PC in
eine Tabelle reingezogen und probiert, was ich damit machen kann.“ Das sei im
Oktober vor einem Jahr gewesen: „Im Sommer würde man auf so eine Idee nicht
kommen.“ Größer, kleiner, verzerrt – das Programm manipulierte die Bilder auf
Mausklick. Sogar zeichnen kann der Nutzer damit. Das Ergebnis überraschte den
Eisenbahn-Freund: „Es entstand etwas Neues.“

Seine Familie habe ihn sofort bestärkt: seine Tochter Lara (22) und seine
damals noch lebende Frau Jutta. Im Sommer dann – seine Ehefrau war wenige
Wochen zuvor gestorben – habe er etwas zu tun gesucht, über den Wettbewerb für
„LokArt“ nachgedacht: „Was hältst Du davon, wenn ich da mitmache?“, fragte er
seine Tochter – und habe erneut Zuspruch erfahren. Sechs Bilder hatte
Schimschock da fertig – so viele, wie man einreichen darf.

Die Kriterien der Jury
bleiben deren Geheimnis

Durch die vom Kulturamt organisierten Besprechungen zum Wettbewerb kam er in
Kontakt mit anderen Künstlern. „Ich bin vielleicht naiv – ich habe gefragt,
nach welchen Kriterien die Jury ausgewählt hat.“ Vielleicht sei es ja nur
gewesen, weil Lokomotiven auf den Bildern sind und das zum Lokschuppen passen
könnte. Er könne dazu nichts erfahren, habe ihm Mariele Koschmieder gesagt,
eine andere Teilnehmerin. „Es sind Leute da, die möchten irgendwann von ihrer
Kunst leben. Ich könnte mir das nicht vorstellen“, sagt Schimschock.

Der 57-jährige Uli Schimschock nennt den Computer „nur ein Werkzeug“.
Tabellen setzt der Berufseisenbahner unter anderem bei seiner Arbeit für das
Archiv des Eisenbahn- und Heimatmuseums Lokschuppen Hochdahl ein. Schimschock
engagiert sich als Verkehrsexperte in der SPD, ist Mitglied des Stadtrats. Er
läuft gern und lebt mit seiner Tochter Lara (22) in Alt-Erkrath.

„LokArt“ ist eine jurierte Ausstellung im Lokschuppen Hochdahl. Dieses Jahr
präsentieren Erkrather Künstler zum 17. Mal Skulpturen, Fotos, Malerei und
Zeichnungen.

Die Ausstellung „LokArt“ beginnt am Freitag, 18. November, 19 Uhr, im
Lokschuppen, Ziegeleiweg 1-3. An den folgenden drei Tagen sind die Werke
jeweils ab 10 Uhr zu sehen – am Wochenende bis 20 Uhr, am Montag bis 16 Uhr.

Im Kreis der Eisenbahnfans ist das Interesse an den manipulierten
Bildern gering, sagt der Berufseisenbahner: „Viele sagen: ,Lokomotiven sind
technische Kunst’.“ Der Sinn für Verfremdungen sei gering.

Anfangspreis lautet 150 Euro

Bevor es zur Ausstellung geht, musste Schimschock sich mit für ihn ganz unerwarteten
Fragen beschäftigen: Die Künstler sind gehalten, Preise für ihre Bilder
festzusetzen. „Wenn man nichts nähme, würde man vielleicht den anderen
Künstlern das Geschäft verderben“, sagt Schimschock. Jetzt versuche er es mit
150 Euro für jedes Bild. Wenn ihn jemand auf mehr Arbeiten ansprechen sollte,
würde er die restlichen gern zeigen.

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