Oleg Meiling: In Afghanistan gefallener Soldat auf Parkfriedhof beigesetzt

Oleg Meiling ist einer der drei jungen deutschen Bundeswehrsoldaten, die am 23. Juni in der Nähe von Kundus in Afghanistan nach einem Feuerangriff der Taliban zu Tode gekommen ist. Der 21-Jährige war seit kurzem Bürger der Stadt Erkrath und wurde heute hier auf dem Parkfriedhof beigesetzt.

Unter großer Anteilnahme seiner Familie, die aus Leinefelde angereist war, sehr vieler Freunde und Kameraden sowie Vertreter des Rates der Stadt Erkrath fand eine sehr würdige Trauerfeier statt, die gemeinsam vom Hochdahler Pfarrer Lutz Martini und einem Militärgeistlichen aus Wesel gestaltet wurde.

Der Umstand, dass deutsche Soldaten in Afghanistan auch für unsere Freiheit kämpfen, und dass „das nicht weit weg“ statt findet, sondern uns auch hier in Erkrath unmittelbar berührt, machte die Ansprache der Geistlichen sehr deutlich. Es war bewegend die Traurigkeit und die Betroffenheit der Menschen zu spüren, insbesondere als Freunde des jungen Soldaten aus dem Eichsfeld und die Mutter seiner Patenkinder persönliche Worte zum Abschied von Oleg Meiling sprachen.

Die Erkrather Lokalpresse berichtet dies:

Die Ansprache, die Pfarrer Martini hielt lesen Sie hier im Wortlaut:

Bestattung Oleg Meiling 4.7.09

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Familie Meiling, liebe Angehörige, Freunde und Kameraden von Oleg,
liebe Trauergemeinde!

In der Mittagszeit des 23. Juni vollzog sich für Familie Meiling und für alle Menschen, die mit Oleg verbunden sind eine dramatische Wende im Leben.
Oleg war seit einer Woche im Einsatz in Afghanistan.
Mit schwerem Herzen hatte man ihn ziehen lassen. Man wußte, es kann gefährlich werden und doch war da die Hoffnung, ihn nach einigen Monaten wieder in die Arme schließen zu können.
„Es ist alles ruhig, ihr braucht euch keine Sorgen zu machen.
Es ist nur sehr heiß hier, die Hitze macht mir zu schaffen.” – so beruhigte er noch seine Familie am Wochenende, als er aus Kunduz zu Hause anrief.
Am folgenden Dienstag geriet die 3. Kompanie des Panzergrenadierbatallions, der Oleg angehörte unter starken Beschuß der Talibankämpfer.
Der Rest ist traurige Geschichte:
Oleg und seine beiden Kameraden verunglückten schwer.
Wegen des andauernden Gefechts, konnten sie zunächst nicht geborgen werden und schließlich kam jede Hilfe zu spät.
Mit Oleg starben Martin Brunn und Alexander Schleiernick, beide 23 Jahre alt.
Olegs Tod hat Trauer und Fassungslosigkeit ausgelöst, bei seiner Familie, den engen Freunden, den Sportsfreunden vom FC Leinefelde 1912, allen, die mit ihm verbunden waren.
Das, was wir sonst nur wahrnehmen als eine Nachricht unter den vielen Nachrichten des Tages, bekommt plötzlich eine ganz andere Bedeutung, wenn wir damit einen lieben Menschen verbinden und unser eigenes Leben betroffen ist.
Da bricht eine Zeit an, in der es mehr Fragen als Antworten gibt und wir uns vorkommen wie in einem finsteren, dunklen Tal des Lebens, aus dem wir den Ausweg nicht kennen.
In solch einer verzweifelten Situation ist es nötig, für einen Moment zumindest eine neue Perspektive zu bekommen.
Nicht daß man die Trauer und den Schmerz einfach loswerden könnte, Einfach ist in dieser Zeit nichts. Aber wir sollen einen Lichtblick haben, der uns den Weg in die Zukunft weist.
Einen solchen Lichtblick, einen solchen Perspektivwechsel wagt der Seher Johannes, der große Prophet, der am Ende des Neuen Testaments spricht:
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Johannes wagt den Schritt aus dem Tal der Tränen heraus. Er erklimmt sozusagen stellvertretend für uns den Berg des Trostes und schaut durch das Fernrohr der Hoffnung in eine neue Welt.
Da sieht er Gott bei den Menschen, nichts kann sie mehr voneinander trennen.

Und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
und Gott spricht:
Siehe ich mache alles neu!
Wie sehr wünschen wir uns das: daß Gott alles neu mache.
Er kann es nicht mehr so machen wie es war.
Was war, das ist vergangen und wir müssen weiterleben in einer Gegenwart und Zukunft in der Oleg nicht mehr mit uns lebt und lacht und liebt, aber in der wir uns des Lebens, des Lachens und Liebens von Oleg erinnern.
Wir hoffen darauf, daß Gott aus dem vermeintlichen Ende noch etwas gänzlich neues zu schaffen vermag, daß er für uns alle eine Zukunft bereit hält, in der der Tod nicht mehr ist und unsere Tränen abgewischt werden.
Wir erinnern uns mit dieser Hoffnung an das, was uns durch Olegs Leben geschenkt wurde, ein Leben das so kurz war und uns deshalb um so wertvoller wird, wenn wir bedenken, wieviel Oleg anderen gegeben hat.
Oleg war ein ruhiger, gelassener und ausgeglichener Mensch.
Er war ein guter Freund, der gerne mit anderen Menschen seine Zeit teilte und sich auch hilfsbereit für andere einsetzte. Er war ein junger Mann voller Lebenslust und sein Lächeln
und seine gewinnende Art war typisch für ihn. Wie gern hat er getanzt und gesungen. Er war für seine Familie da, hat gerne die Aufgaben eines Patenonkels für seine Nichte und seinen Neffen übernommen und er fand in Svetlana eine liebe Freundin, mit der er in eine gemeinsame Zukunft blickte.
Da ist noch so Vieles mehr an lieben Erinnerungen, mehr als man jetzt sagen könnte, und was in unseren Herzen vielleicht am besten aufgehoben ist.
Oleg war ein Mensch, der mitten im Leben stand, der eingebettet war in Beziehungen und Gemeinschaften: Die Familie, sein Freundeskreis, der Fußballverein SC Leinefelde 1912, die Dorfgemeinschaft von Hausen…
Der Tod hat diese Beziehungen zerrissen.
Warum nur? so fragen wir und ahnen, daß wir keine einfachen Antworten bekommen können.
„Wo ist Gott?, wenn so ein Unglück geschieht?” fragen wir.
Auch darauf gibt es keine einfache, sondern allenfalls eine vom Leid geprüfte Antwort.
Dabei ist eines sicher:
Gott ist ganz gewiß nicht bei denen, die Gewalt und Terror ausüben, auch wenn sie sich dabei sogar auf einen Gott berufen und ihren Krieg „heilig” nennen.
Gott ist aber ganz gewiß mit den unschuldigen Opfern.
Denn in seinem Sohn Jesus Christus ist er selbst zum unschuldigen Opfer von Gewalt geworden.
Weil Jesus Christus dem Leiden und dem Tod nicht ausgewichen ist, darum wird er nun auch in dieser extremsten Erfahrung mit uns eins.
In dem leidvollen Geschehen von Terror, Gewalt und Krieg ist Gott nicht bei den Tätern, sondern bei den Opfern.
Gott ist bei Oleg und bei uns, die wir um ihn trauern.

Es wird nichts mehr sein, wie es war.
Aber mit dem Propheten Johannes hoffen wir auf den Tag, da Gott alles neu machen wird.

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Jetzt dürsten wir noch nach einem Leben, das nicht mehr vom Tod bedroht wird. Gott verheißt uns, diesen Lebensdurst zu stillen, weil er selbst die Quelle des Lebens ist.
So warten wir auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der Gott sein wird alles in allem und wir für immer geborgen sind in seiner Liebe.
In solch göttlicher Liebe wissen wir Oleg jetzt schon zu Hause.
Was wir nur glauben dürfen kann er bei seinem himmlischen Vater sehen:
Der Gott des Lebens ist auf unserer Seite und er macht alles neu.
Er wird uns vom Leben durch den Tod hindurch zu neuem Leben bringen.
In Gott sind und bleiben wir auf ewig mit Oleg verbunden.

Und der Friede Gottes,
der höher ist denn alle menschliche Vernunft,
der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Oleg Meiling möge in Frieden ruhen, seine Familie, Smetlana und seine Freunde mögen die Kraft und den Mut finden, mit diesem schweren Schicksalsschlag umzugehen, und sein Tod möge nicht umsonst gewesen sein, sondern in Afghanistan und sonst wo auf der Welt zu Frieden und Gerechtigkeit beitragen.

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